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Glonner Visitenkarte
Ein Besuch in Glonn lohnt sich - Überzeugen Sie sich selbst

Sommerfrischler
aus der näheren und weiteren Umgebung, Glonner, Münchner, Bayern und von sonstwo besuchen
regelmäßig das Glonner Schwimmbad Wiesmühle. Schattige Plätze auf der geräumigen Liege-
wiese, ein idyllischer Biergarten und eine urige Wirtschaft laden bei warmen und auch schon mal
bei kühleren Temperaturen ein, einen Nachmittag oder Abend in der "Genuss-Stätte" zu verbringen. Das Bad verdankt seine Entstehung übrigens dem Urgroßonkel der heutigen Inhaberin Christine
Gruber, der vor gut 70 Jahren jeden Kubikmeter noch mit Schaufel, Spaten und ein paar Spezln eigenhändig ausgehoben hat.

Der Kastensee
gehört schon lange nicht mehr den Nachbarn aus Glonn und Egmating allein, sondern auch den
Münchnern, für die er an den heißen Tagen des Jahres der "Haussee" ist. Geologisch gesehen
verdankt der Kastensee seine Entstehung wahrscheinlich einem gewaltigen abgebrochenen
Gletscherstück, einem "Toteisblock", der von der letzten Endmoräne weit ins Land geschoben
worden ist und langsam abschmolz. Für den Wassernachschub und -austausch des moorigen
Sees sorgen heute einerseits die im Frühjahr die bis zur Überschwemmung im Keller des
Strandbads ergiebigen Regenfälle, andererseits unterirdische Zu- und Abläufe.

Bauernmarkt
findet seit einigen Jahren von Mai bis Oktober jeden zweiten Samstag im Monat am Glonner
Marktplatz statt. Hier finden die Käufer frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Käse, Marmeladen,
die beliebten Reisenthaler Nudeln und anderes Hausgemachtes von Landwirten aus der Umgebung.
Und außerdem trifft man hier immer jemanden auf einen Ratsch. Im Oktober ist Umwelt- und
Bauernmarkt, bei dem auch Gewerbetreibende ihre Produkte vorstellen und über ökologische
Techniken und Produkte informieren. Termin ist jeweils von 8.30 bis 13 Uhr, der Oktober-Bauernmarkt
dauert bis zum frühen Nachmittag.

In der Schießstätte
ist tatsächlich einmal geschossen worden. Die "Zimmerstutzengesesllschaft" wurde hier 1878
gegründet, die noch heute als Schützenverein existierende "Feuerschützengesellschaft Glonn-
Zinneberg" existiert seit 1881. Der erste Schützenmeister war übrigens Baron Albert von Scanzoni,
damaliger Schlossherr auf Zinneberg. Der Schießstand wurde im April 1945 geschlossen. Heute ist
die Schießstätte eine Gaststätte mit schattigem Biergarten, in der Spaziergänger und Ausflügler ein
paar erholsame Stunden verbringen können. Auch für Familienfeiern, Klassentreffen und Vereins-
veranstaltungen wird das Lokal gern genutzt.

Clana, die Klare
hieß die Glonn bei den Kelten. Schon vor Christi Geburt war das Wasser das dominierende
Element in der Marktgemeinde, denn nicht nur die Glonn, sondern auch der Schrankenbach,
der Kupferbach, der Augraben und mehrere Seitenarme dieser Gewässer wie hier in der Siedlung
Am Kupferbach sorgten von alters her für stets reichlich frisches Trinkwasser. Die Schüttung reicht
an einigen Stellen auch heute problemlos aus, um damit ein Wasserrad anzutreiben. Dieses hier
ist allerdings nur dekorativer Natur - während in der Stegmühle mit der Wasserkraft der Glonn
seit 100 Jahren Elektrizität erzeugt wird.

Der Kranner-Sepp
heißt in Wirklichkeit Josef Seidl, was aber kaum jemand weiß, denn er gehört noch zu der Generation,
in der man sich unter dem Hausnamen kennt und mit dem Hausnamen anredet. Dieses charmante
Merkmal Alt-Bayerns wird der Kennung und dem Passwort der Computer-Generation wohl nicht mehr
lange Stand halten können und mit der Zeit verschwinden - ebenso, wie der Anblick eines Bauern, der
sein Heu mit der Hand zusammen recht. Heutzutage verfügt der Bauer über einen gut ausgestatteten
Maschinenpark inclusive automatischem Heuwender - und natürlich über einen Computer.

Blasmusik
gehört bei fast jedem Anlass dazu, ob es sich nun um eine Hochzeit, eine Maibaumfeier oder ein
Standkonzert für einen Altbürgermeister handelt. Aus zwei ehemaligen Kapellen ist mittlerweile die
"Glonner Musi" hervor gegangen, die jeden gebotenen Anlass wahlweise schmetternd, getragen oder
festlich begleitet. Die Mitglieder des Ensembles kommen übrigens nicht nur aus Glonn, sondern aus
einem relativ weiten Umfeld - und sie haben musikalisch nicht nur Polka und Walzer drauf, sondern
auch Klassik, Jazz und vieles andere mehr. Wer's genau wissen will, sollte sich Karten fürs
Jahreskonzert oder einen Stehplatz am Dorffest sichern.

Landwirtschaft
gibt es in vielen Formen in Glonn und um Glonn herum, den Schwerpunkt bildet die Milchwirtschaft.
Doch das Höfesterben hat vor den 26 Dörfern, Weilern und Einöden, die Glonn umgeben, nicht Halt
gemacht. Immer weniger Landwirte betreiben auf immer größeren Flächen vorwiegend Milchwirtschaft,
immer mehr Orte verlieren ihre ehemals bäuerliche Struktur. Wohnen und Gewerbe ziehen in ehe-
malige Bauernhöfe ein. Der Wanderer und Naturfreund kann im Raum Glonn jedoch noch immer
eine freundliche, liebevoll gehegte und gepflegte Natur genießen.

Italienischen Stil
findet man, wenn man genau hinschaut, sogar in einem bayerischen Bauerndorf. Das Reiser-Haus
am Ortsende in Richtung Adling war aber kein Adelssitz oder das Domizil einer reichen Bürgerfamilie.
Es wurde 1906 von der unverheirateten Rosalia Zistl erbaut. Ihren Hof in Adling hatte sie an Baron
Büsing zu Zinneberg verkauft. Ein paar Grundstücke behielt sie sich und bewirtschaftete diese von
ihrer italienischen Villa in der Lena-Christ-Straße aus. Das Haus ist heute noch bewohnt von den
Nach-Nachkommen der Erbauerin. Von diesem markanten Punkt aus hat der Spaziergänger einen
freien Blick über die Filzen bis hinauf nach Zinneberg.

Freundliche G'schäftsleut
empfangen den Kunden in Glonn, und wer zwei- oder dreimal da war, der wird auch mit dem Namen
begrüßt. Eine verzwickte Handwerksarbeit, ein besonderes edles Kleidungsstück oder eine kleine
Aufmerksamkeit in letzter Sekunde - die Geschäftsinhaber in Glonn helfen gerne weiter. Bei der
Rechl Anni darf man sich, an ruhigen, sonnigen Tagen, vielleicht sogar mit auf die Bank setzen,
ihr beim Herrichten eines ansprechenden Geschenkkorbs zuschauen und dabei vielleicht auch
noch das Neueste aus Glonn und der Umgebung erfahren. Und wenn der Sepp Zeit hat, dann
stellt er sich vielleicht auch noch kurz mit dazu und ratscht ein paar Takte mit.

Kunst geht in die Natur
heißt das Motto bei Karl Ludwig Schweisfurth in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten, zu denen
auch Gut Sonnenhausen gehört. Wer schon einmal spazieren gegangen ist auf den landwirtschaft-
lichen Flächen des ungewöhnlichen Öko-Betriebs, der kennt die Skulpturen, Naturdenkmäler und
Kunstgegenstände, die da in der Landschaft stehen und zum Nachdenken, Bewundern oder Staunen
anregen. Aber die Kunst geht nicht nur in die Natur, sie kommt auch nach Herrmannsdorf und
Sonnenhausen, sei es mit regelmäßigen Jazz-Veranstaltungen, Künstlermärkten oder auch sogar
in Person eines vor Ort niedergelassenen Künstlers

Schloss Zinneberg
verdankt seinen Namen natürlich den Zinnen auf dem Dach des östlichen Gebäudetraktes.
Möglicherweise hatten die Römer schon eine Befestigung an dieser telle hoch über Glonn.
Die Geschichte der Besitzerfamilien ab etwa dem 12. Jahrhundert, die Preysing, die Pienzenauer,
die Fugger, die Arcos, die Barone Scanzoni und Büsing, sind eng mit der wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Entwicklung Glonns und der auch der weiteren Umgebung verknüpft. Heute ist
das Schloss im Besitz des Ordens Zum Guten Hirten. Die Schwestern unterhalten hier eine Schule,
eine Heilpädagogische Tagesstätte und ein Heim für Mädchen.

Das Dirndlseilziang
ist eine der Attraktionen beim Glonner Dorffest, auf dem sich einmal im Jahr Alt und Jung, Neubürger
und alt Eingesessene, Hiesige und Auswärtige treffen, um vier Tage lang zu feiern. Neun Glonner
Vereine beteiligen sich an diesem Fest. In den bajuwarischen Disziplinen wie Maßkrugschieben
und Stockschießen werden die Dorfmeister ermittelt, an der Kletterwand kann sich austoben,
wer schwindelfrei ist und wer die meisten Körbe wirft, wird Basketballchampion. Ein reichhaltiges
Abendprogramm sorgt bis tief in die Nächte hinein für Stimmung. Lärmprobleme gibt's selten - denn
an diesen Festtagen bleibt kaum einer daheim.

Das Schwungrad
ist Teil einer historischen Anlage zur Stromerzeugung, die die Stegmühle e.G. im Mühlthal unterhält.
Vorsitzender Josef Rieder aber ist der eigentliche Motor der Stegmühle e. G., und mit viel Finger-
spitzengefühl und Leidenschaft sorgt der Haslacher dafür, dass die alten Räder keinen Tag still
stehen - denn das wäre das Aus für diese mechanische Konstruktion, die Baron Büsing Anfang
des 20. Jahrhunderts zur Trinkwasserversorgung von Schloss Zinneberg bauen ließ. Der dortige
Weiher wird noch heute von der Glonn gespeist, deren Wasser mit 350 Sekundenlitern aus dem
Hang im Mühlthal sprudelt und die Maschine am Laufen hält.

Lift fahren
kann man nicht nur in den bayerischen Bergen, sondern auch in der Moränenhügellandschaft vor
München - wenn's genügend geschneit hat. Aber für ein paar Schneepflüge und Stemmbögen hat's
bisher noch fast jedes Jahr gereicht. Wo sonst in dieser Gegend kann man im Winter schnell mal
auf zwei, drei Stunden zum Skifahren gehen und rechtzeitig zum Abendessen wieder daheim sein?
Wer übrigens eher auf Eissport steht, der findet am Kastensee in vielen Jahren eine ideale Fläche
zum Schlittschuhfahren, Eisstockschießen oder Eishockey-Spielen - und das 30 Kilometer vom
wirklich eisigen Teil Bayerns, den Gletschern, entfernt

Lena Christ
ist wohl die berühmteste Glonnerin. Die Heimatschriftstellerin hat im Haus in der Lena-Christ-
Straße 10 die ersten sieben, und wohl auch die glücklichsten Jahre ihres Lebens verbracht.
Was sie dann in München erlebte, hat sie in ihrem Buch "Erinnerungen einer Überflüssigen"
aufgeschrieben. Viele darin geschilderte Stellen werden dem halbwegs Ortskundigen Glonner
bekannt vorkommen, etwa das Brückerl über den Schrankenbach, in den sie hinein gefallen ist,
ihr Geburtshaus oder der Bahnhof, auf dem sie mehrmals in den Zug nach München gestiegen
ist. Am Grab des Vaters ihres Geliebten am Münchner Waldfriedhof nahm sie 1920 Zyankali.

Das Frauenbründl
zwischen Haslach und Piusheim hat schon manchem geholfen, der daran geglaubt hat. Die kleine Kapelle
ist ein noch heute häufig besuchter Wallfahrtsort. An der Westseite des Kirchleins sprudelt eine Quelle,
an der sich der Spaziergänger erfrischen kann und von der der Wallfahrer auch gerne etwas mit nach Hause
nimmt, da diesem Wasser Heilwirkung nachgesagt wird. Viele Votivtafeln im Inneren der Kapelle künden
davon, wie die Patronin der Kirche Zu Unserer Lieben Frau geholfen hat.
Einmal im Jahr wird eine allgemeine Wallfahrt zum Frauenbründl veranstaltet, bei der auch ein Gottes-
dienst an der Kapelle gehalten wird.

Toteiskessel
sind geologische Besonderheiten, die man in der Moränenhügellandschaft gelegentlich und im Forst
zwischen Glonn und Egmating besonders häufig findet. Bei der Schmelze nach der letzten Eiszeit
wurden riesige Gletscherblöcke abgetrennt und mit den Erdmassen weit ins Land hinein geschoben.
Wo sie liegen blieben, verhinderten sie lange Zeit die Entstehung einer Vegetation. Erst nach ihrem
Abschmelzen konnte sich die Natur allmählich diesen Raum erobern. Auf sandigem Untergrund
entstand karges Riedgras; war der Boden verdichtet, bildeten sich Seen oder Weiher. Bis heute
sind in den Toteiskesseln seltene Pflanzen zu finden.

Der letzte Wolperdinger
Bayerns soll im Reisenthal gesichtet worden sein, einer Landschaft südlich von Glonn, zwischen
den Landkreisen Ebersberg, Rosenheim und München. Zeitzeugen haben noch miterlebt, wie einer
der ersten Touristen um Mitternacht bis zum Bauch im eiskalten Kupferbachwasser stand, einen
Sack aufhielt und darauf wartete, dass die Glonner Burschen ihm das legendäre Lebewesen hinein
trieben. Den wertvollen Pelz wollte er dem Wolperdinger abziehen und seiner Angebeteten zum
Geschenk machen. Stattdessen kam der Reisenthaler-Bauer und brummte ihm ausgiebiges
Holzhacken zur Strafe als die unerlaubte Wilderei auf.

Die Schwedenkapelle
vor Berganger verdankt ihren Bau einer Legende zufolge der Tatsache, dass Glonn im Dreißig-
jährigen Krieg von den Schweden verschont worden ist. An dieser Stelle sollen die Krieger auf
ihrem Vernichtungszug vor dem Glonntal gestanden haben, das in der frühen Morgenstunde in
dichten Nebel getaucht war. Im Glauben, dass sie sich hier vor einem großen See befänden,
machten sie einen Bogen um Glonn. Es scheint sich bei dieser hartnäckigen Überlieferung aber
tatsächlich um ein Gerücht zu handeln, denn Pfarrer Schmalzmair berichtet, dass die Schweden
1634 Glonn "vollständig bis auf die Badstube" niedergebrannt hätten..

Die heilige Jungfrau
ist auf dem Hochaltar in der Frauenreuther Kirche als Sedes Sapientiae auf einer Bank sitzend
dargestellt. In der Linken hält sie ein Buch und in der Rechten das göttliche Kind. Seitwärts stehen
die Figuren der Heiligen Joseph und Joachim. Die altdeutsche Muttergottesstatue stammt aus der
Zeit um 1500 und wurde schon in Westermaiers Statistischer Beschreibung der Kunstdenkmäler Bayerns als "herrliche altdeutsche Muttergottesstatue" gewürdigt. Der heutige Bau im Renaissance-
Stil wurde 1707 geweiht. Am Chorbogen stand bis zur Restaurierung die Jahreszahl 1703. Vorher
soll sich an dieser Stelle eine romanische Kirche befunden haben.
Bilder: Fotofreunde Glonn
Texte: Konstanze Kilger
Quellen: Johann Baptist Niedermair: "Glonn und Umgebung"; Maria Sedlmair: "Glonn - Meine Heimat"
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