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Die Geschichte von Herrmannsdorf

Wenn heutzutage von Herrmannsdorf die Rede ist, dann ist damit der Gutsbetrieb im Osten
von Glonn gemeint, eben der Ort, wo sich die "Herrmannsdorfer Landwerkstätten" befinden.
Inmitten eines rund 150 Hektar großen Areals steht der majestätische Gutshof, dessen
Eigentümer seit 1986 Karl-Ludwig Schweisfurth ist. In einer Statistik wäre Herrmannsdorf
als "Einzelgehöft" zu führen. Allein der Name sagt aber aus, daß es sich um eine Dorf-
gemeinschaft, also einem Ort mit mehreren Gehöften, gehandelt haben muß. Es ist so.
Bis zum Jahre 1938 gab es in Herrmannsdorf noch zwei Gehöfte. Davon aber später.
Der Ortsnamenskunde nach ist Herrmannsdorf das Dorf eines "Hermann", wohl eines Adeligen
oder Ministerialen vor der letzten Jahrtausendwende. Ob und wann es sich einmal um ein Einzelgehöft
gehandelt haben könnte, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, daß Herrmannsdorf erstmals in der
Zeit von 1130-75 im Ebersberger Klostercartular genannt wird. 1340 wird eine Hofstelle an das Kloster Bayharting
verkauft. 1468 und 1554 finden wir darüber eine Bestätigung. Herrmannsdorf gehörte zum Landgericht S
chwaben (Markt Schwaben). Es war 1554 (Feuerstättbuch) bereits eine Hauptmannschaft (öffentliche Aufgaben)
mit insgesamt 28 Hofstellen, die auch die Orte Wetterling und Gailling umfaßte. Um 1750 waren es nur mehr
23 Hofstellen. Diese Verminderung dürfte durch eine Verlegung in andere Verwaltungseinheit (evtl. Zinneberg)
ihren Grund haben. Um 1750 werden für Herrmannsdorf 11 Anwesen genannt. Dies waren 8 Viertel- und 3
Achtelhöfe.
Die Hofnamen: Vogl, Wörndl, Rutt, Schuster, Schuster-Zubau, Kistler, Liedl, Sixt, Stumb (Sturm) und Hafner; der elfte ist
namentlich nicht genannt. Acht von diesen Hofnamen finden wir im Grundbuch von 1867 wieder. Es sind noch 11 Hofstellen.
Die Auflösung der Ortschaft Herrmannsdorf beginnt 1869, als der Schloßherr von Zinneberg Friedrich-Wilhelm von Scanzoni
das "Bauernschmiedanwesen" mit rund 33 Tagwerk kauft und Zinneberg einverleibt. 1899 kauft Baron Büsing Zinneberg. Er kauft ab
1900 weitere Hennannsdorfer Hofstellen. Nur der "Rutt" im Eigentum der Eheleute Mehringer kann standhaft bleiben. Die Bauern-
häuser sind ab dem Kauf dann jeweils Bedienstetenwohnungen. Durch den Bau großer Gutsgebäude wird Herrmannsdorf Hauptsitz
der Zinneberger Landwirtschaft. Nach der Auflösung des Zinneberger Gutskomplexes Ende der zwanziger Jahre wird das Gut
Herrmannsdorf Eigentum der Familie Kuchler. Ab 1937 gehört es der Familie Senkenberg. 1938 verkauft die Witwe Maria Mehringer
ihren "Rutthof". Nun gibt es nur mehr eine Hofstelle in Herrmannsdorf.
Die neue Zeit bringt neue Anforderungen; so auch im Nahrungsmittelbereich. Allmählich geht Qualität vor Quantität und damit ist
naturnahe Produktion wieder gefragt. Dieses Ziel hat sich der Unternehmer Karl-Ludwig Schweisfurth gestellt. Seiner Konzeption
nach wird ein natürlicher Kreislauf, der die Energiebilanz und die Herstellung von Nahrungsmittelendprodukten genau so umfaßt
wie die Feld- und Viehwirtschaft, dies gewährleisten. Die in den
"Herrmannsdorfer Landwerkstätten" angebotenen Nahrungsmittel
umfassen Milch-, Fleisch- und Getreideprodukte, Gemüse und Bier. Der Weg zum Verbraucher soll auf dem kürzesten Wege und
ohne Verpackungsaufwand erfolgen. Aus diesem Grunde gibt es in Herrmannsdorf Läden.
Es war vorauszusehen, daß die auf Herrmannsdoffer Boden erzeugten "Rohstoffe" den Bedarf nicht decken werden. Deshalb sind
Kooperationen mit Landwirten der Umgebung wichtig. Bis zu 75% der "Rohstoffe" dürfen laut Gemeinderatsbeschluß nur zugekauft
werden, denn die entstehenden Abwässer muß der Herrmannsdoffer Grund verkraften. Geht man von einer Eigenfläche von 150
Hektar aus, könnten über die Kooperation bis zu 450 Hektar Landwirtschaftliche Nutzfläche gebraucht werden. Bei sich weiter
verschlechternden Agrarmarktbedingungen ist dies als sehr positiv zu bewerten. Aber auch die Arbeitsplätze, die in Herrmannsdorf
entstanden sind, ermöglichen so manchen Arbeitsplatz vor Ort.
Quelle: "Glonner Geschichte und Geschichten" von Hans Obermair
In dieser Geschichtensammlung sind 28 weitere interessante Beiträge über Orte, Landschaft und Natur, Personen und
Denkmäler in unserer Gemeinde ausführlich beschrieben.
Herausgeber: CSU Glonn, zum 60. Geburtstag von Hans Obermair
Verantwortlich: Norbert Winhart
Erhältlich bei: Bücher Kreutzer, Glonn
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