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100 Jahre Klosterschule

Die Geschichte eines ortsprägenden Bauwerkes

Kloster – Mädchenschule – Haus der Vereine und Kultur

Klosterschule

Die Jahre um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert tat sich vieles in Glonn. Noch im Jahre 1899,
am Johannitag, dem Patrozinium der Pfarrkirche, war Grundsteinlegung für die Mädchenschule
hundert Meter südlich des Marktplatzes. Auf 64 000 Reichsmark beliefen sich die Baukosten
Am 24.10. 1902 übereignete der Initiator Pfarrherr Geistlicher Rat Späth die Schule an den
damaligen Bürgermeister August Lanzenberger, "zum Zwecke einer durch katholische
Ordensfrauen zu leitenden Mädchenschule".

Am 6.11. wurde die Schule den Ordensfrauen des Klosters Maria Stern aus Augsburg übergeben. Mater Elektra Schilling und Mater Irenäa Hell hießen die ersten beiden Lehrerinnen des Ordens in Glonn. 1910 kam Bernardine Ausberger nach Glonn, dem einen oder anderen Älteren unter uns noch bekannt als spätere Oberin.

Die Zeit des sogenannten Dritten Reiches stellt ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Mädchenschule dar. Am 25.3.1937 wurden
die Ordensschwestern aus der Schule verwiesen. Die Folge waren heftige Proteste der Eltern, die in einem Spektakel endeten, das
in Glonn Geschichte geschrieben hat: Auf dem Dach der benachbarten Knabenschule trohnte am Pfingstsonntag der Glonner
Pfingstlümmel, angetan mit dem Braunhemd der SA und einer Kommunistenmütze.

Die Gestapo hatte aus diesem Anlass in Glonn zu tun. Der Zugang zu den Schulräumen wurde von der Gemeinde gewaltsam
erzwungen. Nach Kriegsende mit Beginn des Schuljahres 1945/46 konnten die Ordensfrauen vom Maria Stern wieder den
Unterricht übernehmen. 26 Jahre bis zu ihrer Abberufung ins Mutterhaus nach Augsburg wurden im Kloster Mädchen
unterrichtet, ab 1964 sogar erstmals nach dem Krieg eine gemischte Klasse.

Biss dahin war die Welt noch in Ordnung gewesen im Glonner Schulwesen: Die Buben gingen in die Knabenschule, die auf dem
Gelände der jetztigen Kreissparkasse stand, ab 1957 dann am heutigen Schulstandort, die Mädchen waren hinter Klostermauern
geschützt vor den Nachstellungen der heranwachsenden männlichen Jugend. Streng wachten die klösterlichen Pädagoginnen,
dass kein behostes Wesen sich über die Straße verirrte. Und eine Schülerin gar, gar, in Hosen gekleidet, war undenkbar.

Die Marktgemeinde erwarb schließlich das Kloster- und Schulgebäude. Während des Umbaus des Rathauses anlässlich der
Gründung der VG Glonn 1978 war die Verwaltung in den Sakral- und Essensräumen des ehemaligen Klosters untergebracht.
Ein Einzelhandelsgeschäft fand dort ebenso vorrübergehend Unterschlupf wie eine Arztpraxis. Zug um Zug wurde das Kloster
dann zu einem Zentrum für Vereine, vor allem für die kulturschaffenden Vereine Glonns ausgebaut:

Das Heimatmuseum fand im Dachgeschoß Platz. Hans Kotzinger hat sich große Verdienste um diese Einrichtung erworben.

Die Altenstube etablierte sich im Erdgeschoß: Vier Sozialverbände, das Rote Kreuz, das Diakonische Werk, die Caritas und
die Arbeiterwohlfahrt betreiben diesen Treffpunkt im harmonischen Miteinander seit über 20 Jahren. Dazu habe ich später noch
mehr zu sagen.

Im ersten Stock sind das Rote Kreuz und die Wasserwacht untergebracht. Der WSV mit einem Kraftraum und die Musikschule
waren ebenfalls zeitweise zu Gast in der Klosterschule, wie wir sie nunmehr allgemein nennen. Seit 1979 sind im Keller Räume
für die Jugend ausgebaut, und den Verein Jugendtreff e.V. gibt es trotz vieler Auf und Ab‘s nachwievor, es läuft zur Zeit recht
gut unter einer neuen Vorstandschaft.

Klosterschule

In besonderer Weise hat sich der Westteil des Erdgeschosses als Galerie bewährt. Mit einer Vielzahl
von Ausstellungen erfüllen der Kultur- und Verschönerungsverein und die Fotofreunde die Räume, die
früher als Kapelle, Empore, Sakristei, Refektorium und Küche dienten, mit Leben. Mit einem hohen
Anteil an Eigenleistung der beiden Vereine, Mitteln aus dem bayerischen Kulturfonds und einem
gebührenden Zuschuss der Marktgemeinde wurde im Winter 2001/2002 eine professionelle
Beleuchtung installiert, um die Exponate künftiger Ausstellungen noch besser ins rechte Licht
zu rücken.

Wir hoffen, die Räumlichkeiten künftig noch intensiver nutzen zu können: Unter anderem sollen ortsansässige Künstler wie der Bildhauer Johannes Gottwald aus Herrmannsdorf, die Maler Stefan Heide aus Sonnenhausen und Helmut Kirchlechner aus Glonn und andere heimische Künstler in ihrem Heimatort austellen können.

Diese Renovierung fügt sich in eine Reihe von Umbaumaßnahmen und Sanierungen in den letzten Jahren ein. 2000 wurde die
Westfassade von Grund auf saniert und neu gestaltet. Im gleichen Jahr wurde ein ehemaliges Klassenzimmer im Erdgeschoss
hergerichtet und wieder seiner früheren Bestimmung übergeben. Schon im Jahr davor waren die Toiletten neu installiert worden.

Heuer haben drei neue Nutzer in der Klosterschule Einzug gehalten: Zunächst wurde in der ehemaligen WSV-Geschäftsstelle
das Büro unsere Sozialarbeiters Peter Bartlechner eingerichtet. Der ehemalige Fitnessraum des WSV im ersten Stock wurde
grundsaniert, um dort die Mittagsbetreuung unterzubringen. In die bisherigen Räume der Mittagsbetreuung im Knorranwesen in
der Niedermairstraße hielt der Hort Einzug.

Es war eine gute und vorausschauende Entscheidung der Marktgemeinde, dass sie nach dem Weggang der Klosterfrauen das
Gebäude vom Orden Maria Stern übernommen hat. In dem einen Viertel Jahrhundert seither hat sich dieses Haus bestens
bewährt und zu einem echten kulturellen und sozialen Zentrum in unserer Gemeinde entwickelt.

Dieses Haus und seine Geschichte stehen vor allem für Bildung und Kultur am Ort: Generationen von Schülerinnen sind durch
dieses Haus gegangen – die Serie mit Klassenfotos im Marktschreiber erinnert daran - , bekannte Namen von Lehrerinnen
verbinden sich mit diesem Haus: Maria Gröbmayr, Katharina Faßrainer und Rosa Hintermaier, letztere leben noch am Ort.
Eine der bekanntesten Bewohnerinnen war wohl eine Klosterfrau, die so gar nicht das Klischee einer braven Nonne erfüllte.
Im ganzen Ort bekannt und beliebt war Sr. Moneta Ammon. Und Sr. Oberin Bernhardine Ausberger, die ich bereits erwähnt
habe, ist eine von zwei Frauen in Glonn, denen die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, im Jahre 1968.

Kunst und Kultur haben in diesem Haus ihren gebührenden Platz gefunden: Und hier ist Dank zu sagen an meinen Vorgänger
im Amt und Ehrenbürger der Marktgemeinde Martin Sigl: Ihm war dieser Bau immer wichtig, um Kunst, Kultur und Geschichte
unseres Ortes präsentieren zu können. Wir fühlen uns in seiner Pflicht, wenn wir dafür Sorge tragen, dass dieses Haus nicht
nur seiner Zweckbestimmung erhalten bleibt, sondern immer wieder mit neuem Leben erfüllt wird.

Zusammen gestellt von Bürgermeister Martin Esterl

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