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Agnes Schuster aus Rosenheim gewinnt 1. Glonner Literarischen Hammelsprung
„Gott sei Dank gehen dir die verrückten Ideen nicht aus“, beschloß Bürgermeister Martin Esterl seine kleine Rede als Schirmherr
des „1.literarischen Hammelsprungs“ in Glonn – der tosende Beifall des Publikums in der vollbesetzten Glonner Schrottgalerie
bestärkten Esterls Worte. Die Idee zu einem literarischen Wettstreit in Form eines „Hammelsprung“-Verfahrens kamen
Schrottwandler und Rektor einer Münchner Hauptschule Sven Friedel und seinen Freunden bei einem der wöchentlichen
Zusammenkünfte in der Galerie. „Literatur den Menschen näher bringen“ war das Ziel. Die Idee, das Wahlverfahren aus dem
Bundestag für einen Literaturwettbewerb nach Glonn zu transferieren, wurde aus der Tatsache geboren, dass die Schrottgalerie
über zwei Eingänge und Räume verfügt, die Eingangstür und die Fluchttür. Seit Mai diesen Jahres lief die Ausschreibung, 20
Autoren meldeten sich für den Wettbewerb an. Die Themenauswahl stand den Autoren offen, gefragt waren sowohl Prosa als
auch Lyrik, Hochsprache oder Mundart, Ernstes und Humorvolles, ob bereits veröffentlicht oder noch in der Schublade
schlummernd. Einzige Bedingung: Die Texte mussten selbst verfasst und selbst vorgetragen werden. Aus den Bewerbungen
acht Kandidaten auszuwählen war keine leichte Aufgabe für die beiden Organisatoren des Abends, Sven Friedel und Alexander
Mägdefessel, doch so ihr Ergebnis: „Die acht Besten der Region sind heut Abend da“. Zum künsterlischen Wettstreit stellten
sich Autoren ganz unterschiedlicher Genres: Erika Thea Bartsch-Küppers (Grafing), Walter Brusa, Rosemarie Will (Ebersberg),
Ditar Kalaja (Grafing), Robert Kronthaler (Glonn), Agnes Schuster (Rosenheim), Theresia Rothenaicher (Moosach) und Peter
Meier (Vaterstetten).
Jeweils zwei Künstler traten gegeneinander an, jeder hatte fünf Minuten Zeit sein Werk vorzustellen. Anschließend musste das
Publikum die Räume verlassen und in der „Lobby“, der „Glonner Durchfahrt“, warten bis die Glocke zur Abstimmung rief.
Die Autoren standen jeweils an einer Tür, je mehr Besucher durch die jeweilige Tür traten, desto besser.
Geboten wurden dem Publikum Texte so vielfältiger Art, dass der Abend nicht nur äußerst unterhaltsam sondern auch sehr
spannend wurde – ein Autor konnte aber schließlich nur übrig bleiben. Ob „Die Welt ist alles, was Traum ist“, Erlebnisse bei
einer „Butter-Party“, „Der Weg“ - Gedanken auf dem Weg nach Santiago de Compostela, bayerische Gedichte oder gesungen
Vorgetragenes oder „Schwarze Vögel scheissen weiß“, „Das Versteck“ und „Scharf wie Chilli“, eine schwere Wahl auch für das
Publikum. Ob Selbstfindungs-Prosa, brave Geschichterl aus der Heimat oder erotische Rezept-Lyrik – die Texte waren so
unterschiedlich wie der Geschmack des Publikums. Deswegen wurde in den Wahlpausen in der Lobby eifgrig und kontrovers
debattiert und diskutiert. Die eigens für diesen Wettbewerb von Sven Friedel angefertigte Skulptur, den „Glonner Hammel“,
gewann schließlich die 32-jährige, ungarische Übersetzerin Agnes Schuster aus Rosenheim mit ihrer Kurzgeschichte „Zwischen
den Fingern“. Für das nächste Jahr kündigte Sven Friedel eine Fortsetzung des „Hammelsprungs“ an – das Publikum bedankte
sich mit lautstarken Applaus für den vergüglichen und kurzweiligen Abend.
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